Dienstag, 18. Februar 2014

Von Krisen, Olympia und anderen Nebensächlichkeiten

Seit über einer Woche schreibe ich an zwei Posts parallel und nirgends komme ich weiter. So richtig will in letzter Zeit nichts gelingen: ein einfaches aber teures Projekt, das meine Erwartungen leider nicht erfüllt hat, ist das eine Thema, das andere, ein Kleid, das eigentlich schon längst fertig sein sollte und, weil sich das Nähen so hinzieht und auch weil das Wetter mittlerweile richtig frühlingshaft ist, einiges an Reiz verloren hat.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an meine Vorauswahl beim Weihnachtskleid-Sew-Along. Vier ganz unterschiedliche Kleider haben mir ganz gut gefallen und ich tat mich mit der Entscheidung, welches ich zu Weihnachten nähen soll, wirklich schwer. Letztendlich sind zwei, das eigentliche Weihnachtskleid und das zweite Weihnachtskleid, fast gleichzeitig im Dezember entstanden und das taillierte Wollkleid wollte ich unbedingt im Januar nähen.

Bildquelle: NET-A-PORTER - Victoria Beckham Winter 2013
Doch anders als geplant war der Januar voll von anderen Aufgaben und für das Kleid gab's keine Zeit. Zwischenzeitig ist auch die nächste selbstauferlegte Deadline, die Olympischen Winterspiele, schon verstrichen. Dabei wäre das so ein passender Termin. Das Kleid soll nämlich einen ganz besonderen Futterstoff erhalten.


Normalerweise mag ich keine Stoffe mit großen, eindeutigen Logos, aber dieses Design finde ich sehr gelungen und ausgesprochen schön. Viele, ganz tolle Schriften (das, was ich hier zeige ist wirklich nur eine kleine Auswahl) und unterschiedliche winterliche Motive schmücken das edle Jacquard-Futter. Und auch die pastellblaue Farbe des Futterstoffes passt perfekt zu dem hellgrauen Walk.


Inzwischen ist das Oberteil des Kleides fertig und gefällt mir eigentlich ganz gut.


Bevor ich mit dem Zuschnitt begann, habe ich drei Proben des Oberteils gefertigt. In letzter Zeit nähe ich fast immer zuerst ein Probemodell, doch drei Stück empfinde ich als grenzwertig. Das will ich auf keinen Fall zur Regel machen.

1. Probemodell (Knipmode 9/2013, Kleid 11)


Als Allererstes habe ich ein Schnittmuster aus der Knip verwendet. Bereits beim Abpausen hat mich die Form des Vorderteils skeptisch gemacht, trotzdem habe ich mich entschlossen das Schnittmuster auszuprobieren. Leider hat das Probemodell nur das bestätigt, was ich schon vorher befürchtet habe: die fast rechteckige Form des mittleren Vorderteils, ließ den Brustbereich platt wirken. Angezogen war das noch deutlicher ausgeprägt, als an der Pupe - kein Schnittmuster für meine Figur also!

2. Probemodell ( Burda 8/2011, Kleid 123, originalgetreu)


Nach dem ersten kleinen Misserfolg habe ich mich erneut auf die Schnittmustersuche begeben und letztendlich etwas geeignetes in der Burda gefunden. Das Schnittmuster sah nicht ganz so aus, wie ich das Kleid nähen wollte, aber mir schien, dass der Änderungsaufwand sich im Rahmen halten würde. Zuerst allerdings habe ich das Oberteil in der Originalform genäht und erst nachdem ich mich vergewissert habe, dass das Probemodell gut passt, habe ich die Änderungen an dem Schnitt vorgenommen.

3. Probemodell (Burda 8/2011, Kleid 123, geändert)


Wenn man die zwei Probemodelle miteinander vergleicht, kann man den Unterschied ziemlich leicht erkennen. (1) Ich habe die Nahtlinie zwischen dem mittleren und seitlichen Vorderteil "begradigt". Die rote Linie in dem Bild oben rechts zeigt den ursprünglichen Verlauf der Nahtlinie. Das, was ich dem mittleren Vorderteil zugegeben habe, habe ich dem seitlichen Vorderteil wieder weggenommen und umgekehrt. Ähnlich wurde auch das Rückenteil angepasst. (2) Auch die angeschnittenen Ärmel wurden abgeändert. Ich habe eine gebogene Nahtlinie hinzugefügt, die von der seitlichen Nahtlinie bis zu ungefähr einem Drittel der vorderen/rückwärtigen Halslinie verläuft. Ich muss schon sagen, ich war selbst erstaunt, dass das Abändern so gut geklappt hat und das dritte Probemodell passte.

Obwohl mir die Motivation weiter zu machen im Moment fehlt, schade fände ich es trotzdem, wenn das halbfertige Kleid als UFO enden würde. Als nächstes würde das Rockteil auf dem Plan stehen und ich bin noch unschlüssig, ob ich es ganz konventionell mit zwei Abnähern vorne und zwei hinten nähen soll, oder mich an diese ungewöhnlichen Abnäher oberhalb des Pos wagen soll. Was meint ihr?

Kommentare:

  1. "Diese ungewöhnlichen Abnäher" - warum nicht? Basisrock anziehen, die Linienführung mit Stecknadeln "anzeichnen" und die Abnäher entsprechend in die neu definierte Passe drehen. Kannst Du wunderbar, ist auch da nichts anderes. Go for it!

    Viele Grüße
    Ursula

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Yvonet,
    mach die ungewöhnlichen Abnäher. Das ist ein besonderes Detail. Ich denke das Kleid wird toll und wenn es noch dauert......was solls, nähen ist ein Vergnügen.
    Gruß Mema

    AntwortenLöschen
  3. Oh ja unbedingt fertigmachen. Das Oberteil finde ich hinreißend. Beim Rock bin ich von den ungewöhnlichen Abnähern nicht überzeugt. Ich finde die Stelle an der sie platziert sind nicht besonders günstig. Vielleicht bin ich da aber einfach nur altmodisch. Ganz egal, wie du dich entscheidest wird das Kleid sicher wunderbar.
    LG,
    Claudia

    AntwortenLöschen
  4. Ich wäre auch für die ungewöhnlichen Abnäher. Unbedingt. Und mit der Beschreibung von Ursula habe ich auch was dazu gelernt ;-)). Das wird bestimmt toll das Kleid!
    Beste Grüße
    H.

    AntwortenLöschen
  5. Habe deinen Bericht gern gelesen! Auch hast du mich neugierig gemacht auf das teure Projekt das deine Erwartungen nicht erfüllt. War ich unaufmerksam oder gibt es darüber wirklich noch keine Informationen?
    Was den Po-Abnäher betrifft, da geht es mir wie Claudia. Egoistisch würde ich aber sagen, mach mal bitte, weil ich gespannt drauf bin!
    Das graue Oberteil sieht gut aus auf der Puppe, ist der Stoff ein Walk???

    Nähen ist ein Vergnügen sagt Mema, und ich denke dann wenn wir es schaffen ( jede für sich!) alle Widerstände die das Nähen für uns zu schlechtem Stress werden lassen aus dem Weg zu räumen, dann sind wir am Ziel. Habe aktuell ganz ähnliche Konflikte beim Nähen wie du: Mir wird klar, dass ich nicht anders kann (will!) als laaaangsam, weil ich im Innersten für mich nach Perfektion strebe. Das heisst ich weiss jetzt, dass 3 Proben für mich persönlich längst nicht das
    Ultimo sind.

    Liebe Grüße
    Immi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Über das andere Projekt wird demnächst berichtet.

      Zum Thema Vergnügen: Im Moment ärgere ich mich mehr als genieße. Ich habe das Gefühl, dass ich bei jedem Projekt immer wieder von neu beginne und das ärgert mich. Ich nähe kaum mehrere Kleidungsstücke nach dem gleichen Schnittmuster, was aber bei Basics, so wie Mema es heute zeigt, durchaus wünschenswert wäre. Ich verändere Schnittmuster oft und da glaube ich wäre ein gut sitzender Basisschnitt ein besserer Ausgangspunkt. Ich brauche jetzt dringend jemanden der mir beim Maßnehmen hilft!!!
      LG Yvonne

      Löschen
    2. Verstehe!

      Fürs Maßnehmen ist es gut, wenn man dafür diese Maßbänder hat die man einhaken kann. Nur für ein oder zwei Maße (Rücken) braucht man kurz eine Hilfe.

      Löschen
  6. Du Genußnäherin.
    Das Oberteil hast du prima hinbekommen. Da beneide ich dich immer. Über deine Ausdauer, deine Geduld. Ich glaube es wäre kein Yvonetkleid, wenn du die Abnäher nicht machen würdest. Ich bin gespannt. Die Farbe ist wunderschön. Das andere Projekt, da bin ich auch gespannt.
    lg monika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, der Genuss hält sich momentan in Grenzen. Ich hätte lieber ein Output wie du – so viele schöne Sachen in so kurzer Zeit! *Neid*

      Löschen
  7. Ich bin deinem Link des Kleides gefolgt. Der Schlitz im Vorderrock ist ein gutes Gegengewicht zu Ausschnitt. Kommt der auch? Er sollte!
    Gruß Mema

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, der kommt au jeden Fall. Die Frage ist nur wann? :-)))

      Löschen
  8. Spannend, spannend! Das Modell ist ja todschick! Auch und gerade mit den verrückten Abnähern am Po und dem Schlitz vorn. Meine Bewunderung, wie du den Schnitt konstruierst und anpasst!

    AntwortenLöschen
  9. Willst du denn von dem Rock auch eine Probe machen ? In diesem Fall würde ich die ungewohnten Abnäher versuchen und dann kannst du entscheiden, ob die bleiben sollen oder nicht.
    Ich hoffe ja sehr auf ein fertiges Kleid, weil es mein Favorit unter deinen Weihnachtskleidern war.
    Außerdem weiß ich nicht, ob man sich wirklich auf das frühlingshafte Wetter verlassen kann oder doch nochmal ein Kälteeinbruch kommt. Wie auch immer, das Kleid kannst du auf alle Fälle im Herbst tragen und wenn du es fertig machst, kannst du dich darauf freuen.
    Hach, übrigens bin ich sehr angetan von deinem tollen Futterstoff-das wir bestimmt ein wunderbares, hochwertiges Yvonet-Designer-Kleid.
    LG Susanne

    AntwortenLöschen
  10. Ich kann das Hadern gut verstehen, bewundere aber wirklich deine Ausdauer beim Ringen um die Passform. Das Oberteil sieht schon toll aus (interessante Änderungen!) und das Futter ist traumhaft, auch noch nach der Olympiade. Bei den Rockabnähern zaudere ich etwas. Interessant sind sie schon, aber irgendwie finde ich die Lage etwas tief.
    So oder so wird es sicher wieder ganz "dein" Kleid!
    LG, Bele

    AntwortenLöschen
  11. Ach Gott, ich habe ja damals gar nicht zuende kommentiert! Erstens: das Oberteil ist dir sehr gut gelungen. Wundervoller Stoff und perfekt nachempfunden in Schnitt und Sitz! Zweitens: das Futter ist toll! Mir geht es bezüglich der Abnäher ähnlich wie Bele. Ich habe nichts gegen Ungewöhnliches oder Neues, aber so richtig kann ich mir sie an dir nicht vorstellen, sie sitzen wirklich recht tief. Jetzt hast du schon so einen Stress mit dem Oberteil gehabt... reicht, oder? ;-) Ich finde hier keine e-mail von dir. Magst du sie mir mal schicken? Meine Mailadresse findest du auf dem Blog.
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen