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Mittwoch, 12. Juni 2013

MMM im Schachbrettmuster

Es gibt Sachen die man jahrelang tragen kann und dann gibt es noch, wie ich sie nenne, die Saisonware, also Kleidungsstücke, die man höchstwahrscheinlich nur eine Saison lang anziehen wird. Mein neuester Rock gehört sicherlich in die zweite Kategorie.

Als ich den Stoff noch im tiefsten Winter ganz zufällig sah, war mein Kopf gerade mit Bildern der neusten Sommertrends zugedröhnt, demnach habe ich den Stoff ohne viel nachzudenken gekauft und das nicht zu knapp, obwohl ich sonst beim Stoffkauf mit der Menge sehr geize. Die erste Idee war es, ein Sixties-Kleid aus ihn zu nähen (könnt ihr euch noch daran erinnern, im März habe ich den Stoff schon gezeigt und die Pläne angedeutet), aber irgendwie hat mich der Mut verlassen und da ich nicht sicher war/bin, ob ich mich in solchem Kleid überhaupt auf die Straße trauen würde, habe ich beschlossen ein bisschen kleiner zu beginnen und zuerst einen Rock aus dem Stoff zu nähen.


So hässlich sich das 100%ige Polyzeug auch anfühlt, war ich doch überrascht wie gut es sich verarbeiten lies. Fadenlauf, Symmetrie - bei so einem gleichmässigen Muster überhaupt kein Problem. Als Schnitt habe ich das Burdamodell 111 vom 8/2012 genommen. Nach diesem Schnitt habe ich schon im letzten Jahr einen Rock genäht und auch für mein hier gezeigtes Refashion-Projekt habe ich den Schnitt als Vorlage genommen. Der hat zwar wegen des Godets eine andere Modellbezeichnug, aber im Grunde ist das der gleiche Rock. Zufälligerweise zeigt SwinginCat heute auch einen schicken Rock (die Godetvariante), der nach diesem Schnitt genäht ist.

Da mir der Schnitt sehr gut passt, wurde er jetzt zu meinem Basisschnitt für einen Rock ohne Bund erklärt. Diesmal habe ich die seitlichen Nahtzugaben großzügiger zugeschnitten, damit der Rock ein bisschen mehr hüftiger sitzt und statt eines nahtverdeckten einen Metallreißverschluss eingesetzt. Kennt ihr vielleicht eine gute Anleitung fürs Nähen eines beidseitig verdeckten Reißverschlusses, wo auch das Futter am Reißverschluss mit der Nähmaschine angenäht wird. Ich habe es zwar so genäht, aber vielleicht gibt es eine elegantere Lösung, die ich nicht kenne. Meine Methode scheint mir ein wenig umständlich zu sein. Das einzige was ich diesbezüglich gefunden habe, ist eine Free-Mini-Class auf Craftsy, bestimmt sehr sehenswert, aber der Weg, den Sunni von A Fashionable Stitch dort zeigt, scheint mir auch nicht optimal zu sein.


Bei der Saisonware lohnt es sich nicht besonders viel Zeit in die Verarbeitung zu investieren. Dementsprechend hat mein neuer Rock auch innen keinen Schnickschnack. Ich habe sogar überlegt das Futter um den Schlitz im Rundbogen auszuschneiden, wie man das heutzutage in vielen Kaufröcken sieht, habe mich dann doch, als Übung sozusagen, für die aufwendigere Variante entschieden. Ich weiß nicht wie es euch diesbezüglich geht, aber ich, bei Sachen, die ich nur selten nähe, vergesse schon mal wie man's macht :(

Letztendlich fällt mein Urteil über den Rock recht milde aus. Einerseits finde ich ihn schon sehr auffällig, anderseits fasziniert mich dieser extreme hell/dunkel Kontrast und wenn man ihn ein bisschen legerer stylt, ist er nach meinem Empfinden auch alltagstauglich.


Ich denke auch, dass jegliche Grundfarben zu dem Rock gut passen und wenn man sich im Kopf von den Originalbildern löst, ergeben sich vielleicht doch mehr Tragemöglichkeiten als man anfänglich vermuten würde.

Bildquelle links: Catwalk Louis Vuitton F/S13

Mehr selbstgeschneiderter Kleidung wird, wie immer Mittwochs, auf dem MMM-Blog gezeigt. Auch Lucy, die heutige Gastgeberin, trägt heute einen Rock. Im Gegensatz zu mir, hat sie sich diesmal für die kombinationsfreudige "Langzeitvariante" entschieden.

Mittwoch, 15. Mai 2013

4W4K - Woche I - die Eingewöhnungsphase

Seit Samstag schon brüte ich über diesem Text, der irgendwie nicht fertig werden wollte. Dabei fand ich wichtig für mich, die ersten Tage meiner eigenen Mai-Aktion zu reflektieren.

Mit einem so lala Erfolg habe ich versucht mich im Netz gezielter, mehr auf mein Nähprojekt bezogen, zu bewegen. Es ist nicht einfach die eigenen Gewohnheiten zu ändern. Erschwerend kam hinzu, dass letzte Woche zwei kräftige Gewitter die Nähbloggerwelt heimgesucht haben und obwohl das frühsommerliche Intermezzo schon wieder beendet zu sein scheint ein bitterer Nachgeschmack ist dennoch geblieben.

Und wie läuft's mit meinem ersten Kleid. Hier muss ich leider feststellen, dass weniger Netzaktivitäten nicht zwingend mehr Nähoutput bedeutet. Im Klartext: Noch keins meiner geplanten vier Kleider ist fertig. Der momentaner Zwischenstand (vom letzten Samstag) sieht so aus. Und was man auf dem Foto nicht erkennen kann, das Oberteil und das Rockteil sind nur zusammengesteckt.


Das ist nich viel. Ein Gefühl der Produktivität will sich bei mir irgendwie nicht einstellen. Warum habe ich nicht mehr geschafft? Wo ist die Zeit geblieben? Ich möchte der Sache ein bisschen auf den Grund gehen. Also wie sah meine letzte Woche im Bezug aufs Nähen aus.

Als erstes sollte tatsächlich das Kleid aus dem gestreiften Stoff entstehen und wenn's fertig ist, soll es ungefähr so aussehen.

Bildquelle: Runway Dolce & Gabbana F/S13
Ja, ich gebe es zu, ich gehöre zu der Sorte, die sich von dem Modezirkus oft beeindrucken lässt. Manipuliert, weder bewusst noch unbewusst, fühle ich mich trotzdem nicht. Ich habe da schon meinen eigenen Kopf, auch wenn er hier nicht immer oder nicht deutlich genug zu sehen ist. Genau dieser ist auch dafür verantwortlich, dass ich gerne hin und wieder Kleidungsstücke nachnähe. Für mich ein interessanter Prozess, in dem ich mich bewusster mit Schnittlinien, Proportionen oder Verarbeitung auseinandersetzte. Und da meine kleinen privaten Experimente absolut unbedeutend sind, bewege ich mich auch rechtlich auf sicherem Terrain und bin echt froh, dass wir kein Patent auf Prinzessnaht oder Raglanärmel haben (Kopieren mal in einem anderen Kontext - hier ein interessanter Artikel dazu).

So, und da mein Copy-Cat-Verhalten jetzt unmissverständlich ausgesprochen ist, kann ich zu den Details meines jetzigen Projektes übergehen.

Angefangen habe ich wie meistens mit der Suche eines passenden Schnittmusters. Beim Durchblättern der technischen Zeichnungen - die scanne ich immer, damit ich zumindest ein bisschen die Vorteile der computerunterstützten Suche nutzen kann - bin ich bei einem Burda-Modell hängen geblieben, das mir auf den ersten Blick für das was ich vorhatte gut geeignet erschien. Der zweite Blick ließ mich zweifeln.


Das Foto in der Zeitschrift hat mich keines Falls überzeugt. Abgesehen davon, dass das Kleid auf dem Fotomodell extrem eng sitzt, kann man unter dem Ausschnitt viele kleine Querfalten erkennen und wenn da nicht die süßen Kimonoärmel wären, würde ich von dem Schnittmuster die Finger lassen. Aber diese Kimonoärmel, die wollte ich schon immer ausprobieren... Mit nicht zu hohen Erwartungen habe ich also angefangen ein Probemodell zu nähen. Überraschenderweise ist die erste Anprobe erstaunlich gut ausgefallen. Die gewählte Größe passte, der Ärmel (habe nur einen eingesetzt) sah wirklich schön aus, der Ausschnitt war mir zwar zu tief und viel zu weit, das zu ändern ist aber nur eine Kleinigkeit, nur einzig die große Falte, die das Vorderteil hatte - auf dem Foto oben fast gar nicht erkennenbar - hat mir nicht gefallen.

An dieser Stelle musste ich entscheiden: nähe ich es trotzdem mit der Falte, kann ich es ändern oder soll ich einen anderen Schnitt nehmen. Typisch für mich und nicht besonders produktiv habe ich lange überlegt, dann ein bisschen in dem wirklich tollen Schnittkonstruktionsbuch "Schnittkonstruktion für Damenmode" geblättert und mich nach dem Motto "wenn ich es nicht einmal ausprobiere, werde ich es nie lernen" für das Ändern entschieden. Die Änderung, die man machen musste, war eigentlich ganz einfach: das Vorderteil an zwei Stellen bis zum Brustpunkt einschneiden, die Falte zusammenführen und dafür den Abnäher vergrößern. Das war es.


Und es hat funktioniert. Die Falte war weg und das zweite Probemodell hat recht gut gepasst. Nach ein wenig feintuntig beim Abnäher konnte ich das Oberteil aus dem richtigen Stoff zuschneiden. Um das Rockteil habe ich mir zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken gemacht. Zuerst musste die Hürde des Nähens der Kimonoärmel genommen werden. Auf die Details dazu werde ich erst beim nächsten mal kommen, sonst wird das hier viel zu lang.

Jetzt möchte ich lieber zurück auf das Thema Produktivität kommen. Ich habe schon hier und da gelesen, dass einige sogar ihre Nähprojekte nach dem in der Overlock gerade eingefädelten Faden auswählen. Da muss ich ehrlich zugeben, dass meine Nähart sehr, sehr weit von der zeitoptimierten Fließbandarbeit entfernt ist. Einerseits ärgere ich mich oft über die Dauer anderseits wähle ich meine Nähprojekte oft ganz bewusst so aus, dass ich für mich neue Nähtechniken ausprobieren und etwas Neues lernen kann. Dass darunter manchmal meistens die Produktivität leidet, damit muss ich glaube ich leben.

Liest hier noch jemand? Hoffentlich, denn erst jetzt kommt der laute Hilfeschrei. Endlich komme ich zu den wahren Verursacher der Verzögerungen und hoffe dabei sehr auf eure Hilfe. Diese zwei Probleme haben mich total ausgebremst:

1. Das Rockteil
Während ich so munter an der oberen Hälfte des Kleides gearbeitet habe, habe ich nebenbei die ganze Zeit über das Rockteil nachgedacht. Aber egal wie lange ich überlegte und auf die Bilder starrte, es war und ist mir immer noch nicht klar, wie der Rock des Kleides konstruiert ist. Wollen wir uns die Bilder genauer anschauen.


Anhand des Streifenverlaufs erkennt man, dass die vordere Rockbahn im geraden Fadenlauf zugeschnitten ist. Von der Seite betrachtet, sieht man, dass die Streifen an der Seitennaht symmetrisch sind. Daraus kann man schließen, dass die Weitenzugabe an der Seite an der vorderen und hinteren Rockbahn gleich ist. Ich hoffe sehr, ihr könnt mir folgen. Von hinten sieht man deutlich, dass der Rock auch an der hinteren Mittelnaht ausgestellt ist. Wie ist das möglich? Müsste dadurch die hintere Rockbahn nicht weiter sein als die vordere. Ist so etwas möglich? Ahnt jemand vielleicht, wie das Rockteil konstruiert sein könnte?

2. Die Häkelkante
Da ich schon solche unverbesserliche Nachmacherin bin, wollte ich auch den Ausschnitt und den Saum ähnlich wie im Original machen.


Nach einigen Recherchen habe ich herausgefunden, das die Kante aus Bast (Jute?) ist. Nach weiteren Recherchen habe ich erfahren, dass es Edelbast gibt, der sich auch zum Häkeln eignet und war schon kurz davor ihn zu bestellen. Doch dann musste ich über die Waschbarkeit nachdenken. Ich glaube nicht, dass solche Bastkante Waschmaschinenwäsche gut überstehen wird. Welches Garn, könnte ich dafür ersatzweise verwenden? Es musste ein härteres und roh wirkendes Garn sein. Und wo in Berlin gibt es gut sortierte Wollläden? Ich sage schon gar nicht, dass ich auch nicht die geringste Ahnung habe, wie ich die Kante machen soll. Fragen über Fragen. Vielleicht könnt ihr mir auch hier mit einigen Tipps helfen.

Was der nächste Schritt meiner Mai-Therapie sein wird, hängt sehr stark von dem Feedback ab, über das ich mich diesmal ganz besonders freuen würde. In der Zwischenzeit fange ich schon mal mit dem nächsten Kleid an. Das Elisalex-Schnittmuster ist mittlerweile angekommen und das wird auch mein Kleid Nr.2 sein.