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Mittwoch, 27. November 2013

MMM - ganz unbunt

Grau besitzt keine Buntheit und wird als langweilig und nichtssagend empfunden. Graue Maus, graue Masse, graues Wetter, alles negativ geladene Ausdrücke, Symbol für etwas Unscheinbares, Uninteressantes, mangelnde Individualität. Seltsamerweise mag ich die Zurückhaltung von Grau. Neben einer grauen Betonwand strahlt Holz noch mehr Wärme aus, ein Sofa auf grauem Betonboden erscheint noch kuscheliger. Grau veredelt jeden Still, wenn Schnitt und Material stimmen. Zu dem markanten Schnitt dieses Kostüms finde ich diese zurückhaltende Farbe sehr passend.


Das Kostüm habe ich während des Kostüm-Sew-Alongs angefangen. Es war das zweite Kostüm, das ich damals genäht habe und ich bin mit der Jacke nicht ganz fertig geworden. Sie ist nun seit einiger Zeit fertig und was bietet sich mehr an als an einem grauen Mittwoch ein graues Kostüm, das an einem grauen Samstag fotografiert wurde, an der Frau zu zeigen.



Über die Entstehung des Rocks habe ich schon ausführlich berichtet, heute also nur ein paar Sätze zu der Jacke. Der Schnitt ist aus einer älteren Burda Ausgabe. Es ist die Jacke 113 aus der Burda 10/20010. Das Probemodell habe ich in der Größe 40 genäht und da mir die Ärmel nicht besonders weit erschienen (Nesselstoff wirkt immer ein wenig anders), habe ich es auch bei dieser Größe belassen. Ich denke, dass Gr. 38 ausreichend wäre, da ich aber eine weite Jacke wollte, finde ich sie so wie sie ist, völlig in Ordnung. Die Schulterbreite stimmt und das ich das Wichtigste. Das Schnittmuster selbst hat gute Passform und wenn jemand auf der Suche nach einem A-Linie Jackenschnitt ist, kann ich das Schnittmuster empfehlen. Ich habe einiges geändert aber die Grundform - Schnittlinien, Abnäher, Schulterweite, Ärmel - ist unverändert geblieben.
Hier kurz die Änderungen, ich habe:
  • die Jacke verlängert.
  • keine Kellerfalte im Rücken genäht dafür das Rückenteil an der Mittelnaht ein wenig ausgestellt.
  • einen Reißverschluss eingenäht.
  • anderen Kragen genäht. Der flachliegende Bubikragen schien mir unpassend. Der Kragen, der jetzt meine Jacke schmückt :), ist von dem Strenesse Kurzmantel, der in der Burda 10/2012 war. Ich habe ihn nur noch ein bisschen vergrößert aber sonst passte er sehr gut.
  • einen Strickbund "integriert". Hier musste ich ein wenig grübeln und auch meine Nähmaschine ist beim Nähen an die Grenzen gekommen. Mit viel Kraft musste ich alle Stofflagen unter den Nähfuß ziehen und habe mich gewundert, dass die Nähmaschine das dann doch noch so gut transportieren konnte.
  • abnehmbare Manschetten genäht.
Leider hatte ich bei meiner Inspektion bei Prada nicht die Möglichkeit gehabt auch die Jacke ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Ich konnte sie nur auf einem Mannequin begutachten und somit nur groben Eindruck gewinnen, wie sie genäht ist. Wie die Manschetten konstruiert sind müsste ich selbst rausfinden. Das hat geklappt und demnächst werde ich noch eine Kunstfellvariante nähen.

Ich habe das Kostüm in letzter Zeit öfters getragen. Das Vorder- und Rückenteil hat eine Lage wärmender Watteline verpasst bekommen, so kann ich es noch bei jetzigen Temperaturen tragen. Obwohl so ungewöhnlich geschnitten ist das Kostüm sehr bequem und angenehm zu tragen. Und ich hatte auch die seltene Gelegenheit gehabt es fotografieren zu lassen. Danke! Also bevor ihr euch jetzt all die wunderschönen Mittwochskreationen in dem MMM Blog, mit der heute besonders schicken Meike als Gastgeberin, anschaut, hier noch ein paar Bilder:






Und jetzt geht's hier zu MeMadeMittwoch!

Sonntag, 3. November 2013

KSA#5 - Heute hab ich die Hosen an!

Seit acht Wochen tüfteln begeisterte Hobby-Näherinnen an ihren Kostümen: planen, nähen, probieren an, trennen, wieder nähen, freuen, verzweifeln, hoffen und bangen. Und jeden zweiten Sonntag tauschen sie sich aus und motivieren gegenseitig. Und das alles dank der wunderbaren Idee, auf die Catherine gekommen ist, als sie im Spätsommer die ersten leicht gelb leuchtenden Blätter an der Linde vor ihrem Haus sah. Ist das nicht toll! Danke Catherine! Heute werden die fertigen Kostüme in dem MeMade Mittwoch Blog präsentiert und wie nicht anders zu erwarten so unterschiedlich die Frauen, so unterschiedlich auch ihre Kostüme.

Und das ist meine neue Uniform Yvonet in Business!






Wer heute hier noch mein inpired by Prada Kostüm erwartet, den muss ich leider enttäuschen - die Jacke ist noch nicht ganz fertig. Die Studienreise ist noch nicht beendet und das ist ganz gut so, denn irgendwie wäre es zu viel des Guten für heute ;)


Dienstag, 22. Oktober 2013

KSA#4 - der Prada Zipfel

Ich mache mich noch fertig, wenn die ersten Gäste schon in der Tür stehen, packe in letzter Minute, renne dem Bus hinterher, muss Taxi nehmen um den Zug nicht zu verpassen und ärgere mich jedes Mal fürchterlich darüber aber beim nächsten Mal mache ich es genauso. Ich habe auch die schlimme Angewohnheit, dass ich bei Projekten, die zu einem bestimmten Termin fertig sein müssen, kurz vor der Deadline immer ca. 90% der Arbeit fertig habe und das unabhängig vom Gesamtaufwand. Bei Terminen, die nicht zu verschieben sind, wird dann schon die Nacht durchgearbeitet und alles andere wird eben mit ein bisschen Verspätung abgeliefert. Es fehlt immer nur ein bisschen.

Nicht anders ging es mir am letzten Sonntag. Der Rock war größtenteils fertig und doch nicht so weit, dass ich zeigen und schreiben konnte, was ich ursprünglich geplant habe. Kurzzeitig habe ich sogar überlegt nur einen kurzen "der Stand ist so und so"-Post am Sonntag zu schreiben (was auch überhaupt nicht schlimm wäre), mich aber dann doch dagegen entschieden und den Sonntag dazu genutzt den Rock (fast) zu Ende zu nähen.

Beim 4. KSA-Treffen sollte es um den Rock, die Hose oder das Kleid gehen, also die Teile, die zusammen mit einer Jacke ein Kostüm ergeben. Catherine, die diese tolle Kostüm-Sew-Along Idee hatte, hat es so formuliert: Am 20. Oktober kümmern wir uns um den Rock (oder die Hose) und sind froh, dass wir das Schwierigste bereits hinter uns gelassen haben. Ja, das wäre sehr schön. Ich muss aber, wie viele anderen Mitstreiterinnen auch - alles zum Nachlesen im MeMadeMittwoch Blog -, an beiden Jacken noch weiterarbeiten, allerdings soll hier heute um den Rock gehen. Und was schreibt Catherine dazu: Der Rock ist im Vergleich zum Jackett schließlich nur noch ein Klacks! Jein, würde ich nur dazu sagen.

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage ist der Burda-Zipfel tatsächlich ein Prada-Zipfel? habe ich beschlossen mich an der Quelle umzuschauen.


Leider gibt es keine fotografische Dokumentation meines Besuches. Man wird dort so gut bedient, dass man kaum eine freie Sekunde findet und ich konnte wirklich schlecht sagen: meine Damen ich will hier nichts kaufen nur ein paar Fotos machen. Hier also in Textform das, was mein fotografisches Gedächtnis ;-) scannen konnte:
  • der Prada-Zipfel ist ein Godet, das ganz von oben an einer (rechten) Seite eines Bleistiftrocks eingesetzt ist
  • das Godet wird oben von innen mit einem trapezartigen Einsatz in Form gehalten
  • der Rock ist ungefüttert und alle Nähte sind mit Hong-Kong-Finish versäubert
  • der Reißverschluss liegt in der Seitennaht
  • die Nahtzugaben der Seitennaht sind nach vorne gebügelt und abgesteppt
  • der Rock hat keinen Bund nur einen ganz schmalen Besatz, auch abgesteppt
  • der Saum ist nur mit Overlock versäubert, was aber stoffabhängig ist, d.h. es gibt auch Modelle, die einen "normalen" Saum haben
Jetzt ging es darum, das Gesehene in einen tragbaren Rock umzuwandeln. Nach einigen Überlegungen habe ich beschlossen keinen der Burda Zipfelschnitte zu nutzen und stattdessen einen einfachen Bleistiftrock-Schnitt zu nehmen. Das Godet sollte oben 13cm weit sein (das konnte ich auch während meines Besuches an der Quelle feststellen; unten habe ich bei der Gr. 38 ca. 90cm gemessen), also habe ich an der vorderen und rückwärtigen Rockbahn oben 6,5cm markiert und von diesem Punkt eine senkrechte Linie (wie der Fadenlauf) nach unten gezeichnet.


Zum Erstellen von Godet habe ich mich eines einfachen Tricks bedient. Endlich fand ich eine sinnvolle Verwendung für die breiten Fugen zwischen meinen Dielenboden, bis jetzt haben sie nur als Staubfänger gedient.

Godet zeichnen mithilfe von Stecknadel, Faden und Buntstift

Danach wurde alles zusammengeschustert und voilà, fertig ist der Rock.


Da die eine Seite des Rocks enganliegend ist und die andere durch das Godet Volumen hat, fand ich die Anpassung am schwierigsten. In der Taille könnte er ein bisschen enger sein, aber ändern werde ich das nicht mehr. Es fehlt noch der Saum, also nicht wundern, wenn man auf den Fotos noch irgendwelche runterhängenden Fäden entdeckt. Ich möchte den gesamten Rock auch noch um ca. 2-3cm kürzen. Hier ein paar Bilder aus dem Workroom.



Ich bin nicht jung und auch nicht hip, trotzdem gefällt mir der Rock. Wenn ich ihn anhabe fühle ich mich nicht zu adrett angezogen und das mag ich sehr.

Montag, 7. Oktober 2013

KSA#3 - es geht nur langsam voran...

...und im Grunde ist das was ich im Moment zu zeigen habe nicht gerade besonders spannend und die dunkelblaue Farbe der Jacke macht das Ganze auch nicht einfacher.



Ich hinke meiner eigenen Planung ein Stückchen hinterher, aber die aufwendigeren Teile der Jacke, wie die Pattentaschen mit Paspeln oder die Brusttasche, sind fertig. Noch führen die Jacke und die Futterjacke ein getrenntes Leben aber ich hoffe, dass das Einfüttern dank der guten Videos von Mia Führer (Folge 8 beschäftigt sich unter anderem mit Einfüttern des Blazers) relativ problemlos verlaufen wird. Beim Futterzuschnitt habe ich ca. 1,5cm Mehrlänge am Ober- und Unterärmel zugegeben (die genauen Stellen sieht man auf dem Foto unten). Diese Mehrlänge ist für den guten Fall der Ärmel unbedingt nötig. In der hinteren Mitte der Futterjacke wird eine ca 2cm breite Komfortfalte eingearbeitet, die bei einer Jacke mit Schlitz zum Schlitz hin ausläuft.


Der eine oder andere kompliziertere Schritt (z. B. der Schlitz im Rückenteil oder die Ärmelschlitze) steht mir noch bevor aber bis zum 3. November sollte das zu schaffen sein. Um jedoch am 3. November auch mein Kostüm à la Prada fertig zu haben, werde ich mich richtig sputen müssen. Diese Woche und auch das kommende Wochenende werde ich definitiv nicht nähen können und so wird die Zeit, die ich bis zum 3. November fürs Nähen zur Verfügung haben werde, ziemlich knapp. 

Ursprünglich war mein Plan zuerst den Blazer komplett zu nähen und erst danach mit dem zweiten Kostüm zu beginnen, aber da ich unglaublich gespannt war, ob der von mir gewählte Burdaschnitt für die Prada ähnliche Jacke geeignet ist, habe ich schon ein Probemodell genäht...


...und ich muss sagen, ich bin sehr zufrieden. Der Schnitt, außer dass meine Jacke keine Kellerfalte hinten haben wird, ist genau richtig und hat erfreulicherweise nur wenige Schnittteile. So kann ich noch hoffen, dass ich beim letzten KSA Treffen auch (voll strebermäßig) Tragefotos vom zweiten Kostüm  zeigen kann.

Zwischen Verzweiflung und Freude. Der Kostüm-Sew-Along hat viele Hürden, Höhen und Tiefen. Hier berichten darüber die Mitstreiterinnen.

Sonntag, 22. September 2013

KSA#2 - Blick ins Innere einer Jacke

Fertige oder fast fertige Jacke kann ich noch nicht zeigen aber ganz untätig war ich auch nicht. Zuallererst musste ich die noch fehlenden Sachen besorgen: Einlage, Knöpfe, Futter. Ist jetzt erledigt. Dank Lucys Tipps habe ich mich im Schneiderbedarfladen Yavas mit verschiedenen Bügeleinlagen und Formband reichlich eingedeckt. Dort habe ich auch sehr schöne Knöpfe für meine Jacke gefunden.

Das Futter habe ich auch gekauft. Das Gleiche, mit dem der Rock gefüttert ist, konnte ich nicht mehr bekommen und da ich es blöd fand, die Jacke mit einem anderen Blauton zu füttern (ein Kostüm sollte irgendwie ein Ganzes ergeben), habe ich mich für gestreiftes Futter entschieden. Ich denke, das wird gut aussehen.



Als nächstes stand ein Probemodell auf dem Plan. Das mache ich in letzter Zeit fast immer so, wenngleich das Nähen des Probemodells bei mir nicht dem Zweck dient, jede kleinste Falte aufzuspüren und zu bekämpfen. Vielmehr geht es mir um die großen Passformprobleme, deren Korrektur nach dem Zuschnitt nicht mehr möglich wäre. Bei diesem Schnitt gab es aber keine bösen Überraschungen, nur Kleinigkeiten, die auf dem Foto unten rot gekennzeichnet sind. Dann habe ich noch Ärmeln um 1,5cm und die gesamte Jacke um 2cm gekürzt. Die Korrekturen habe ich auf die Schnittteile übertragen und zugeschnitten. Viel Arbeit - die Jacke hat viele Schnittteile und viele Passzeichen - die ich nicht mag und immer froh bin wenn sie erledigt ist.


Das Probemodell ist fertig und auf dem Tisch liegen die zugeschnittenen Jacketeile auch wenn man sie in dem Chaos nicht sofort findet :)

Der nächste Schritt wäre Einlage aufbügeln. Ist noch nicht erledigt, dafür habe ich für euch etwas anderes vorbereitet. Catherine zeigt heute sehr detailliert wie in Kreuzberg genäht wird und ich hab für euch diesmal... die China-Variante. Wir werden jetzt einen kurzen Blick ins Innere eines Made-In-China-Kauf-Jacketts werfen. Ich bin der Meinung, da kann man sich einiges abgucken. So hat angeblich schon Vivienne Westwood gelernt, also kann es uns auch nicht schaden. Leider kann ich keine vollständig geschlachtete Jacke zeigen (dann könnte man alles besser sehen und erkennen). Meine wird nach dem Fotoshooting die kurze Modelkarriere beenden und wieder das wahre Gesicht zeigen :).

Jacke nähen - wo genau Einlage aufbügeln?


Die folgenden Bilder zeigen an welchen Stellen in einem industriell gefertigten Jackett Einlagen aufgebügelt sind. Mann kann auch erkennen, dass in Abhängigkeit von der Stelle auch unterschiedliche Einlagearten verwendet werden. Wenn man die Bilder anklickt, kann man alles noch genauer erkennen.

1. Rückenteil
 
 Im gesamten oberen Bereich des Rückens wird ein etwa 3cm breiter Streifen mit dünner Einlage verstärkt.

Hier noch besser zu erkennen.

Der Kragenausschnitt im Rückenteil und die Schulternaht, auch vom Vorderteil, werden zusätzlich noch mit Formband verstärkt.

Der Schlitz hinten wird mit dünner Einlage verstärkt. Die Einlage ist so aufgebügelt, dass sie über die Umbruchkante reicht (siehe den linken Pfeil). Die gleiche Einlage wird auch entlang vom Saum aufgebügelt und zwar sowohl auf der Saumzugabe als auch ca. 3,5cm breit im unteren Bereich des Rückenteils (siehe den Pfeil rechts im Bild).

2. Seitenteil und Unterärmel
Seitenteil wird komplett mit einer festeren (aber nicht steifen!!!) Einlage verstärkt. Hierfür eignen sich die Gewebeeinlagen sehr gut.

Dieses Foto zeigt das Seitenteil im Bereich des Armausschnitts. Mann kann hier erkennen, dass auch der Unterärmel mit einem Einlagestreifen verstärkt ist. Hier sieht man auch deutlich den Unterschied zwischen der festeren Seitenteileinlage und der dünneren Einlage des Unterärmels. Auf dem Foto ist auch ein Formband zu sehen, das entlang des gesamten Ärmelausschnitts aufgebügelt ist. Das Formband wird erst dann aufgebügelt, wenn das Vorder-, Seiten- und Rückenteil der Jacke schon miteinander vernäht sind.

3. Oberärmel
Auf dem Oberärmel entlang der Armkugel ist ein Streifen der dünnen Einlage aufgebügelt.

Im unteren Ärmelbereich wird die dünne Einlage entlang vom Saum, ähnlich wie im Rückenteil, aufgebügelt.

4. Vorderteil
Das Vorderteil und der Besatz sind vollständig mit der festeren Einlage verstärkt.

Da der Stoff dieser Jacke sehr dünn ist, ist das Vorderteil oben noch zusätzlich verstärkt. Diese Art der Verstärkung wird nicht immer benötigt. Auf dem Foto kann man auch gut den Einlagestreifen entlang der Reversumbruchlinie erkennen.

Auch die vordere Kante des Vorderteils ist mit einem schmalen Vlieselinestreifen gesichert, der aber nur auf der Nahtzugabe aufgebügelt ist.

So, das war es. Und jetzt, bevor es ganz dunkel wird und ich die rechte Stoffseite von der linken nicht mehr unterscheiden kann, werde ich die Einlage(n) in meine Jacke aufbügeln.

Trägst du schon oder bügelst du noch? Hier tummeln sich alle Kostümliebhaberinnen. Es bleibt spannend, in jeder Hinsicht.

Dienstag, 10. September 2013

KSA#1 - Kurztrip oder Studienreise

Ich liebe Kostüme, wirklich. Als also Catherine, die mit ihrer Express-Nähfähigkeit schon im Vorfeld zum warmnähen ein beeindruckendes Kostüm zauberte, zum Kostüm-Sew-Along aufgerufen hat, war für mich sofort klar: ich mache mit.

Kostüme werden meistens mit Businesskleidung oder offiziellen Anlässen assoziiert. Zu Unrecht! Sie sind wandelbar und können abhängig vom Schnitt, Stoff und Styling ganz unterschiedlich wirken: businesslike oder lässig, romantisch oder sportlich. Die Möglichkeiten sind fast unendlich (nimmt euch doch unsere Frau Bundeskanzlerin als Beispiel :-)). Also nicht zögern, an die Nähmaschinen, fertig, los!

Das klingt jetzt so dynamisch aber um ehrlich zu sein, der KSA ist schon vor zwei Tagen losgegangen und ich starte (schon wieder) verspätet. Und meine Pläne? Habt ihr zufällig meinen letzten Post gelesen? Ob das Wort Pläne nicht ein schlechtes Omen für mich ist? Ich bin optimistisch. Diesmal hab ich mich besser vorbereitet und zwei Optionen überlegt. Beginen werde ich mit einem Kurztrip und nähe zuerst nur eine Jacke zum vorhandenen Rock.


Im Frühjahr habe ich aus tollem Nadelstreifenstoff einen Rock genäht (und hier gezeigt), der schon kurz danach zu dem Liebling in meinem Kleiderschrank avanciert ist. Ich mag den Rockschnitt sehr gerne aber noch mehr mag ich den Stoff. Das Nadelstreifenmuster ist sehr klassisch aber der Stoff wirkt durch seine matte und raue Oberfläche absolut casual und fühlt sich beim Tragen unglaublich gemütlich an. Nachdem also der Rock fertig war, habe ich total bedauert, dass ich den Stoff nicht auch noch für eine Jacke gekauft habe. Zwei Monate später, bei meinem nächsten HÜCO Besuch (für alle, die über meine HÜCO-Liebe noch nichts wissen - es ist ein Stoffladen in Berlin und wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, Lucy hat über den Laden schon ausführlich berichtet) entdeckte ich glücklicherweise den Stoff noch im Regal und kaufte wie immer sparsame 1,5m für eine Jacke. Das Stretchfutter, das ich zum Füttern des Rocks verwendet habe, war leider nicht mehr vorhanden, was heißt, ich muss mich jetzt dringend nach einer Alternative umschauen.


Der Jackenschnitt steht schon fest. Ich werde ein Patrones Schnittmuster ausprobieren. Ich verwende oft Burda-Schnitte, habe schon Burda-Jacken genäht, zB. hier, und auch ein Burda-Kostüm, hier, und möchte jetzt zum Vergleich einen anderen Schnittmusterhersteller ausprobieren. Einige noch unbenutzte Patrones Hefte liegen bei mir seit Ewigkeiten rum, also warum nicht. Bin gespannt!

Wenn es zeitlich passt und ich an dieser Stelle weiterhin Lust auf ein Kostümabenteuer habe, wird aus meinem Kurztrip eine Studienreise. Auch hierfür liegt schon fast die ganze Ausrüstung zuhause bereit. Beschäftigen will ich mich ein bisschen mit den Schnittlinien der Prada Herbstkollektion und zwar mit einer Jacke, die in der Kollektion in einigen Variationen auftaucht und einem Midirock (schon im Sommer wollte ich mir unbedingt einen nähen).

Bildquelle: Prada Herbst/Winter 2013
Bildquelle: Prada Herbst/Winter 2013
Die Jacke gibt es in drei (oder sind es nur zwei) unterschiedlichen Längen, mit Kragen und Reißverschluss oder mit Revers und Knöpfen. Ich will sie in der Länge, wie auf den Fotos in der Mitte, nachnähen, ob mit einem Reißverschluss oder einer Knopfleiste, habe ich noch nicht entschieden. Zu der Jacke möchte ich den asymmetrischen Rock nähen.

Nach den passenden Schnittmustern habe ich auch schon gesucht. Mit dem Jackenschnitt war es ein bisschen schwierig, aber wahrscheinlich werde ich dieses Schnittmuster nehmen:


Alternativ kann ich auch dieses Schnittmuster nutzen:


Für den Rock werde ich selbstverständlich einen der Zipfelschnitte (zu diesem Thema empfehle ich Lucys köstliche Besprechung der 'September Issue' von Burda) verwenden.



Da die Burda vom Oktober schon gestern in meinem Briefkasten lag, konnte ich auch den zweiten Zipfel Schnitt genauer unter die Lupe nehmen. Der Schnitt aus der September Ausgabe erscheint mir geeigneter obwohl ich finde, dass die Jacke 106 aus der Oktober Ausgabe zusammen mit dem Rock 121 aus der gleichen Burda optisch der Prada Silhouette schon sehr nah kommen.

Prada (links) versus Burda (rechts)
Noch kurz zu meiner Stoffwahl. Ich muss zugeben, dass eigentlich die farbigen Prada Kostüme in mir das Haben-Wollen-Gefühl weckten, also wollte ich erstmal zu buntem Stoff greifen. Nachdem ich jedoch ein bisschen überlegt habe, entschied ich mich für Grau. Grau ist zurückhaltend, verträgt sich dafür mit vielen anderen Farben und ist einfach zu kombinieren, wie praktisch :-)


Der Stoff, ein Woll-Diagonal, ist ausreichend dick für eine Herbstjacke fällt aber weich, sodass er auch für den Rock geeignet ist (hoffe ich zumindest). Dazu kommt das farblich unspektakuläre (wer hier Farbakzente erwartet, wird bitter enttäuscht) aber hochwertige Futter. Auf dem Foto sieht man noch zwei Stoffproben: ein Fellimitat - mittlerweile bestellt, obwohl ich noch gar nicht sicher bin, ob ich es verwenden werde - und ein Stück Strickstoff, den ich für nicht besonders geeignet halte. Mit dem Strickbund werde ich wahrscheinlich die größten Probleme haben. Sollte jemand gute Quelle für Strickbundbeschaffung kennen, wäre ich für Tipps sehr dankbar.

Los geht's, ich bin (fast) startklar und (noch) sehr motiviert!