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Dienstag, 19. März 2013

Layering - Zweiteiler #2: Kleid

Ich weiß, ich weiß, die Winterklamotten kann keiner mehr sehen. Nur leider meine Lieben, schneit es da draußen. Der liebe Petrus scheint nicht besonders gut mit uns zu meinen. Also nutze ich die Gelegenheit, dass der Winter sich immer noch so hartnäckig hält und stelle der Vollständigkeit halber heute noch mein SWAP-Winterkleid vor. Schließlich soll dieser Blog auch für mich eine Art Historie des Genähten sein.

Kleid & Hose im Duo konnte man im Winter 2012 in einigen Designer-Kollektionen sehen und ich gebe es ehrlich zu, dass mich diese Kombination sehr fasziniert hat.

UK Vogue 08/2012

Die Idee an sich ist nicht neu, aber die westliche Frau von heute trägt schon seit einigen Jahren bevorzugt enge Hosen oder Leggings und die Länge des dazu getragenen Oberteils wird von Jahr zu Jahr immer kürzer. Das vermute ich ist auch der Grund, warum dieser "Trend" -  Kleider und Röcke zu Hosen kombiniert - kaum in die Geschäfte geschafft hat und somit auch nicht auf der Straße zu sehen war. Ich habe mir vorgenommen diese Kombination zu testen.

Inspiration für meinen Zweiteiler hat mir die Chanel Winterkollektion geliefert. Warum gerade Chanel? Dazu gab es zwei Gründe. Erstens fand ich die Verwendung des Tweedstoffes für Hose und Kleid sehr interessant und zweites haben mich die verschiedenen Silhouetten beeindruckt. Die Kleider oder Röcke folgten keiner bestimmten Silhouette sondern hatten ganz unterschiedliche Formen und Längen gehabt.

Bildquelle: vogue.com

Ich selbst war auch nicht von vorne rein auf eine bestimmte Länge oder Kleidform festgelegt, sondern habe mich der Endversion schrittweise genähert. Schließlich ist es ein lockerer sitzendes Kleid mit einer leicht verlängerten Taille und einem nicht zu stark gerafftem Rock geworden.




Das Modell 136 aus der Burda 12/2012 schien mir die geeignete Vorlage für mein Vorhaben zu sein. Zuerst habe ich eine kleine, hier schon gezeigte, Probe genäht, um überhaupt entscheiden zu können, ob ich das Schnittmuster verwenden möchte. Das obere Teil des Kleides hat mir gut gefallen. Vor allem war mir die Schulterpartie nicht zu breit (habe aber für das Probemodell schon eine Größe kleiner gewählt) und auch die Schnittlinienführung hat mich überzeugt. Das Rockteil des Kleides schien mir dagegen für meine Zwecke nicht geeignet zu sein, da es eine starke O-Form (breit in der Hüfte und deutlich schmaler unten) hatte. Also habe ich das Rockteil selbst konstruiert. Das Mittelteil des Rocks ist sowohl vorne als auch hinten ein einfaches Rechteck und die Seitenteile sind auch Rechtecke, die jeweils vier Zentimeter breiter und gekräuselt an das Oberteil genäht sind.

Ich habe lange überlegt, ob ich die Knopfleiste vorne machen soll. Grundsätzlich fand ich sie ganz schön, aber mein Stoff war recht dick und letztendlich fand ich es doch schöner das obere Mittelteil nicht zu unterbrechen. Um das Kleid anziehen zu können, musste ich einen Reißverschluss in die Schulternaht reinbasteln. Der zweite Reißverschluss befindet sich an der Seite.

Von der ursprünglichen Burda-Version des Kleides ist nicht viel geblieben, aber trotzdem hat mir das Schnittmuster als Basis für mein Projekt sehr geholfen.



Die Kombination konnte ich anlässlich des Geburtstags meiner Mutter schon testen und bei der Gelegenheit auch fotografieren lassen (danke!) und ich muss sagen, für mich ein klarer Daumen hoch - ungewöhnlich im positiven Sinne und dazu noch bequem und gemütlich und wie ich finde, entgegen der weit verbreiteten Meinung, durchaus auch für nicht so große Menschen wie mich geeignet.

Das Kleid kann ganz im Sinne von SWAP auch selbständig getragen werden.


Die Hose selbstverständlich auch. Wie sie sich ohne die Begleitung des Kleides macht, kann man hier sehen.

Und jetzt noch ein Seidentop, das wirklich allerletzte Teil des SWAP, will auch noch kurz vorgestellt werden. Zum Schluss des SWAP war mir schon so sehr nach etwas leichtem und da ich einen wunderschönen, zu meiner Kollektion farblich passenden Seidenstoff zu Hause liegen hatte, habe ich mich spontan für den Vogue Rachel Comey Designerschnitt (Vogue 1247) entschieden. Das Schnittmuster ist wunderschön, mit vielen ungewöhnlichen Schnittlinien. Es ist nicht ganz einfach zu nähen, da es aus vielen Teilen besteht, wovon einige im schrägen Fadenlauf zugeschnitten sein müssen. Wer aber ein bisschen Geduld aufbringt wird mit einem außergewöhnlichen Top belohnt. Die Anleitung ist wie für Vogueschnittmuster typisch sehr gut. Alle Nähschritte sind ausführlich erklärt, leider nur in Englisch und Französisch, dafür aber mit vielen hilfreichen Abbildungen. Zu beachten ist, dass das Top ziemlich groß ausfällt, also sollte man es mindestens eine Größe kleiner nähen. Wichtig für den Erfolg ist auch die Stoffwahl. Es muss ein dünner, weicher und gut fallender Stoff sein.


Heute nur ein Bild auf dem Kleiderbügel, aber wenn es draußen endlich wärmer wird..... bitte, bitte lieber Petrus ......dann, werde ich noch weitere Bilder machen und posten.

Und ganz zum Schluss noch eine Entschuldigung: Ich beantworte nicht jeden Kommentar jedoch auf Fragen und solche Kommentare, die einen Anlass zur Diskussion geben, versuche ich immer zu reagieren. Die letzten paar Tage vor dem SWAP-Finale bin ich wirklich unter Zeitdruck geraten und dadurch sind einige Kommentare vor allem zu meinem lila Rock unbeantwortet geblieben, was mir ein schlechtes Gewissen macht. Verzeiht mir bitte.

Damit ist mein Winter-SWAP endgültig zu Ende. Mein Kopf ist voll neuer Ideen und einige Stoffe liegen schon bereits. Es wird demnächst hier deutlich bunter werden, wie es sich für Frühjahrs- und Sommerkleider gehört. Besonders nach diesem langen, dunklen Winter. Bis bald.

Sonntag, 3. März 2013

SWAP 12/13 - Defilee

Was wäre die Arbeit ohne den krönenden Abschluss. Und ist nicht der 03.03.13 ein perfektes Datum für eine Abschlusspräsentation. Also: Here we go!



Meine Kollektion besteht aus 10 Teilen. Und bevor ich diese spannende fünf Monate genauer unter die Lupe nehme, kann ich vorweg schon Sagen, dass ich mein selbstgestelltes Ziel - Mein Ziel ist erreicht, wenn ich aus der Liste 10 Teile schaffe! - erreicht habe. Darüber freue ich mich sehr.

Im Februar ist doch noch eine ganze Menge neu dazu gekommen. Für mich eigentlich nichts unerwartetes. Gute Zeiteinteilung und stetiges Arbeiten funktionieren bei mir nicht immer perfekt, dafür aber kann ich mich kurz vor dem Ziel noch richtig motivieren. Das blaue Oberteil, die Hose und den Rock habe ich schon im laufe des Februars vorgestellt. Die Besprechung des dünnen Seidentops und des Kleides kommt noch in den nächsten Tagen.

Durch die im Februar genähten Teile ist meine Kollektion deutlich kombienierfreudiger geworden, wenn auch nicht perfekt. Besonders zu dem Rock machen sich Blusen sehr gut. Schade, dass sich keine unter den 10 Teilen befindet.






In meinem Schrank gibt es aber einige Kleidungsstücke, darunter zum Glück auch Blusen, die farblich und auch vom Schnitt her meine SWAP-Teile sehr gut ergänzen.


Dafür, dass SWAP "Sewing with a plan" heißt, bin ich ziemlich planlos an die Sache rangegnen. Unüberlegt und schnell entschlossen habe ich meine Teilnahme am SWAP bekundet, nicht ahnend worauf ich mich da einlasse. Jetzt bin ich um einige Erfahrungen reicher. Ein Haufen scheinbar farblich harmonierender Stoffe reicht nicht aus, um daraus eine interessante und dazu noch gut kombinierbare Garderobe herzustellen, und davon bin ich in meiner anfänglichen Naivität ausgegangen. Im Laufe der Monate, je mehr und vor allem konkreter ich mich mit meinem Stoffhaufen auseinandergesetzt habe, desto schwieriger wurde für mich die Aufgabe. Was ist überhaupt ein gelungenes Kleidungsstück. Ich würde sagen, für mich ist es eine interessante Kombination aus Schnitt und Stoff. Bei dem Stoff spielen außer der Farbe noch das Muster, das Eigengewicht, die Textur, die Haptik usw. eine entscheidende Rolle. Damit zu experimentieren sollte das Thema meines SWAP-Projektes sein.

Ich will Kleidungsstücke, die zueinander passen aber dennoch will ich mit Schnitten und vor allem mit Stoffen experimentieren, unterschiedliche Stoffe verarbeiten, Stoffe auch zweckentfremdend einsetzen.

Und ich muss sagen, dass ich mich tatsächlich mit diesem Thema viel beschäftigt habe. Ich habe ganz unterschiedliche Stoffe verarbeitet - Wollbouclé, Leder, Kunstleder, Jersey, Sweatshirtstoff, Strick, Seide - und sie miteinander gemixt. Wenn man aber die genähten Kleidungsstücke genauer betrachtet, erkennt man vielleicht einige sich wiederholende Schnittlinien, die aus den unterschiedlichen Einzelstücken in gewisser Hinsicht eine Einheit bilden sollen.

Ohne SWAP würde ich dieses Vorhaben nicht so konsequent durchziehen und auch nicht so lange an dem Thema dran bleiben. Darum will ich mich sehr herzlich bei den Organisatorinnen Mema, Immi und Rong für diese Idee und die Durchführung bedanken. Es war auch sehr spannend bei allen Mitstreiterinnen die Entwicklung zu beobachten. Wie unterschiedlich die Pläne auch waren, oder sich im Laufe der Zeit geändert haben, einen Leitfaden konnte man doch überall erkennen. Ich gratuliere allen zur eigenen Kollektion!

SWAP             war lehrreich!
SWAP       war anstrengend!
SWAP                     war cool!
SWAP     hat Spaß gemacht!

Einen kleinen Kritikpunkt zum Schluss hätte ich aber doch. Ich weiß nicht, wie es den anderen ergangen ist, aber für mich war der Zeitraum nicht optimal. Ab Januar hatte ich eigentlich keine Lust mehr Wintersachen zu nähen. Vielleicht haben auch einige aus diesem Grund zu diesem Zeitpunkt aufgegeben. Die Belohnung sollte eigentlich das Tragen der genähten Sachen sein und jetzt wird man bei dem einen oder anderen Kleidungsstück nicht mehr so viele Gelegenheiten dazu haben. Meiner Meinung nach, müsste man früher anfangen oder noch besser die SWAP-Lauzeit auf drei Monate beschränken. Dadurch wären vielleicht die Pläne realistischer und realisierbarer.

Mittwoch, 27. Februar 2013

MMM - Neues vom Nähzimmer

Noch heiß von der Nadel wird sofort probegetragen.


Der Rock hat eine lange Entstehungsgeschichte. Den Stoff, ein dunkellila Kunstleder, habe ich gegen Ende 2011 gekauft, um diesen Burdaschnitt zu nähen.

Burda 12/2011 Rock 124 (Bildquelle: Burdastyle.de)

Leider wie es so oft bei mir der Fall ist, ist dieses Projekt in Vergessenheit geraten. Der Wille den Rock zu nähen kam wieder, als ich im Herbst 2012 meinen Stoffevorrat nach passenden Stoffen für das SWAP-Projekt durchgesucht habe. Im Dezember letzten Jahres war es dann soweit, ich wollte mit dem Nähen des Rocks anfangen. Als erstes habe ich mir den Burda-Schnitt genauer angeschaut und vor allem hier und da nachgemessen. Nach meiner Messung sollte die vordere Rockbahn eine Weite von 150cm haben. In diesem Moment wurde mir klar, dass das kein Schnitt für mich ist. Dennoch schwebte mir ein Rock mit Falten vor. Nach langer Suche fiel meine Wahl auf ein Manequim-Schnittmuster (Manequim ist ein brasilianisches Magazin. Wenn ihr an einigen Informationen über diese Zeitschrift interessiert seid, einfach bitte einen kurzen Kommentar hinterlassen).

Manequim Nr. 630 (November 2011) Rock 478

Die Rohversion des Rocks sah dann so aus


und ich muss gestehen, ganz glücklich war ich mit dem Ergebnis nicht. Es lag nicht am Schnitt (den werde ich auf jeden Fall für einen Rock aus "normalem" Stoff verwenden). Es lag auch nicht an dem "besonderen" Stoff. Viel mehr lag es an der Kombination der beiden (Schnitt+Stoff), die mich nicht ganz überzeugen konnte.

So hängte der halbfertige Rock lange auf dem Kleiderbügel. Immer und immer wieder habe ich ihn anprobiert und übelegt ob ich ihn so zu Ende nähen soll( einige positiven Kommentare hier im Blog haben mich nachdenklich gemacht) oder mich doch nach einem neuen Schnitt umschauen soll. Nur so richtig wusste ich selbst nicht was ich will. Die Idee der Falten wollte ich nicht ganz aufgeben. Der Stoff war schon zugeschnitten, also ganz frei war ich in der Wahl des Schnittmusters auch nicht mehr und vor allem wollte ich mir keinen weiteren Patzer erlauben. Der selbstgemachte Druck war hoch.

Irgendwann beim x-ten Durchsuchen meiner Nähzeitschriften-Sammlung kam mir ein älteres Patrones Heft in die Hände, in dem ich eine ganze Strecke zum Thema Rock gefunden habe.

Patrones Nr. 296 Modelle 29 und 30

Patrones Nr. 296 Modelle 31, 32, 33

Patrones Nr. 296 Modelle 34 und 35

Das Modell 33 ist jetzt MEIN ROCK geworden.

Der Neuzuschnitt war gar nicht so einfach aber danach lief alles glatt (gelogen)... Nachdem ich einen guten halben Tag gebraucht habe um die Falte vorne zu legen (die spanische Erklärung hat mir nicht besonders geholfen und auch der Google Übersetzer ist an der Übersezung der Nähanleitug klaglos gescheitert) und mich dann noch ein bisschen ausgiebig beim Nähen gequält habe (1. Kunstleder ist weder besonders Änderungs- noch Bügelfreudig, 2. den inneren Bund wollte ich nicht aus dem Kunstleder nähen, also habe ich dafür ein Stück Jersey verwendet und dementsprechend lange mit unterschiedlichen Einlagen experimentiert), ist der Rock jetzt endlich fertig und ich ganz glücklich.


Die Wahl des Schnittes war ein richtiger Glücksgriff. Ich finde ihn toll und ich fülle mich in dem Rock, so wie er jetzt ist, ganz wohl. Gut, dass ich mich für die Umarbeitung entschieden habe.

Mit einem letzten Foto, auf dem man im Hintergrund schon meine Frühjahrspläne erahnen kann, verabschiede ich mich zu dieser späten Stunde. Die Fotos wurden heute früh aufgenommen. Zum Schreiben bin ich leider erst sehr spät gekommen.


Und jetzt bitte hier weiterlesen. Auf alle Fälle empfehlenswert!

Donnerstag, 21. Februar 2013

SWAP 12/13 - Zweiteiler #1: Hose

Eigentlich will ich schon seit Tagen mehr Ordnung in der Wohnung schaffen und ich sollte nähen, denn der 1. März naht. Immi und Rong und auch Sabine sind schon untergetaucht und arbeiten bestimmt ganz fleißig an der SWAP-Garderobe. Ich stattdessen sitze am Computer und überlege was euch von meinem Hosen-Nähabenteuer interessieren könnte.

Ich wollte eine gerade geschnittene 7/8-Hose nähen, die zusammen mit einem Kleid getragen werden kann. Mit dieser Absicht habe ich mich auf die Suche nach einem passenden Schnitt begeben und tatsächlich ganz viele Schnittmuster gefunden, die ähnlich und zumindest theoretisch geeignet wären. In solchen Situation vergleiche ich meistens die technischen Zeichnungen. Oft stelle ich fest, dass viele Schnittmuster sich immer wieder wiederholen und voneinander kaum unterscheiden. Leider lässt sich die Frage, ob die Schnitte sich vielleicht doch in der Passform unterscheiden, weder anhand der technischen Zeichnungen noch mithilfe von Abbildungen mit Bestimmtheit beantworten. Diesmal wollte ich es genau wissen und habe mir vorgenommen drei Schnittmuster zu vergleichen. Meine Auswahl fiel auf diese Schnitte.


1. Burda 05/2012#108 / 2. Burda 09/2012#110 / 3. Vogue V8840

Ich habe drei Probehosen genäht. Bei der Wahl der Größe habe ich mich exakt an die Angaben in den Maßtabellen gehalten. Auf den Vergleich war ich sehr gespannt. Leider war die erste Anprobe ernüchternd. Keine der Probehosen hat nur an­nä­he­rungs­wei­se gepasst. Fast jede Hose, die ich im Geschäft anprobiere sitzt besser! Nachdem der erste Schock vorbei war, habe ich versucht die Passprobleme genauer zu bestimmen und herauszufinden welche der Probehosen zum besten Endergebnis führen wird. Beide Burda Hosen waren mir im Bereich der Oberschenkel zu eng. Die Vogue Hose war überall deutlich zu groß und saß zudem auch vorne im Schritt sehr komisch. Sie wurde als erste aussortiert. Als Nächstes musste ich mich zwischen den beiden Burda Hosen entscheiden. Nach mehrmaligen Wechselanproben habe ich mich für Hose Nr. 1 entschieden. Bei mir saß sie doch ein wenig besser als die Nr. 2 und auch die Tatsache, dass die obere Hosenkante vorne tiefer war als hinten fand ich angenehm. Nachdem die Entscheidung getroffen war, ging es an die Passformänderungen. Letztendlich waren es weniger Anpassungen notwendig als ich am Anfang befürchtet habe. Nachdem ich an der inneren Naht des vorderen Hosenteils ein bisschen (oder mehr als nur ein bisschen) Weite zugegeben habe, saß die Hose auf einmal ganz gut.



Im Endeffekt war das Nähen dann einfach. Die Hose ist ohne jeglichen Schnickschnack genäht und hat auch keine Taschen. Ich weiß, dass für viele eine Hose ohne Taschen gar nicht denkbar ist, und eigentlich gehöre ich auch zu dieser Gruppe. Diesmal habe ich mich aufgrund des Stoffes, oder besser gesagt meiner nicht vorhandenen Erfahrung mit solchem Stoff, gegen die Taschen entschieden. Der Wollbouclé ist nicht dünn aber locker gewebt und ich hatte die Befürchtung, dass die Taschen sich sehr stark abzeichnen würden. 

Den Reißverschluss habe ich nach hinten verlegt. Auch den Besatz habe ich anders angenäht. Normalerweise werden zuerst am Besatz die Seitennähte gesteppt und dann wird der Besatz an die obere Hosenkante angenäht. Meine Reihenfolge war anders. Ich habe zuerst den vorderen und die hinteren Besätze an die entsprechenden Hosenteile angenäht. Erst danach wurden die Seitennähte gesteppt und zwar durchgehend am Besatz und an der Hose. Auf diese Weise kann ich die Hose sehr schnell an den Seitennähten enger machen sollte der locker gewebte Stoff sich beim Tragen ausgedehnt haben.

 




Wie man sieht bin ich auf großen Umwegen zu meiner Hose gekommen und irgendwie habe ich auch nicht das Gefühl, dass ich von diesem Vorgehen besonders profitiert habe. Ich habe nichts gelernt, was ich beim Nähen der nächsten Hose direkt nutzen könnte und bin mir ziemlich sicher, dass bei einem neuen Schnittmuster ich wieder von Null anfangen muss. Da das ist natürlich auf die Dauer sehr frustrierend seien kann, werde ich mich mit dem Hosen-Thema anders auseinanderzusetzen.

Der eigene Hosenschnitt, das ich für mich die Lösung und der erste Schritt ist schon getan - benötigte Literatur und sonstiges Zubehör liegen bereits zu Hause.

Sonntag, 3. Februar 2013

SWAP 12/13 - Bericht am 01.02.2013 - letzte Zwischenetappe

Verspätet aber immerhin noch dabei.


Mit großen Schritten nähe(r)n wir uns dem Ende. In einem Monat geht das SWAP-Projekt zu Ende und immer öfter denke ich darüber nach, wie wohl mein Résumé ausfallen wird. Aber heute geht es noch um den aktuellen Stand und der sieht bei mir so aus:

diese Sachen habe ich genäht



davon sind diese im Januar neu dazugekommen


Was ich mir denke, wenn ich die Bilder betrachte. Um diese Frage zu beantworten, will ich mich eines Zitates unbekannter Herkunft bedienen

Schau nicht zurück, um darüber zu klagen,
was du wieder alles nicht geschafft hast.
Schau nur zurück, um Kraft zu schöpfen,
damit du es in Zukunft schaffen kannst.


Ich würde mir wünschen genügend Kraft schöpfen zu können um noch Folgendes zu erreichen:
  • Die angefangenen Sachen beenden. Es gibt zwei Sachen, die beendet werden wollen:  ein lila Rock und ein blaues Oberteil
  • Zu dem Oberteil, das ich im Januar vollendet habe, einen passenden Rock nähen
  • Noch das zu schaffen (oder besser gesagt einen Teil davon) was mir am Anfang am wichtigsten war
Den letzten Punkt muss ich, glaube ich, ausführlicher erklären, denn meine Prioritäten habe ich im ersten SWAP-Bericht ein bisschen versteckt untergebracht. Aus dem großen Berg der Stoffe habe ich damals zwei rausgesucht, die ich unbedingt verarbeiten wollte. Genau diese zwei Stoffe habe ich auch detailliert gezeigt. Das waren ein Steppstoff, der jetzt doch bis zum nächsten Winter übersommern wird, und ein Boucléstoff aus dem ein Zweiteiler (Punkt 2 meiner 15-Teile-Liste, was habe ich mir nur dabei gedacht) entstehen sollte.


Ich muss zugeben, dass ich mich im Laufe der SWAP-Wochen oder besser gesagt SWAP-Monate ein bisschen verzettelt habe. Jetzt im Januar habe ich immer wieder darüber nachgedacht, ob ich den Zweiteiler noch nähen möchte, wo ich doch schon von der Sonne, lauen Sommerabenden, dünner Seide und Chiffon träume. Aber seien wir doch mal ehrlich, bis es soweit ist, wird es noch sehr viele Tage geben, wo mein Zweiteiler zum Einsatz kommen und mich erfreuen kann.

Der erste Schritt ist getan worden. Ein Probekleid ist genäht und drei Probehosen nach drei unterschiedlichen Schnittmustern sind auch schon fertig. Weitere Details folgen in Kürze.


Wie man sieht habe ich im kürzesten Monat des Jahres sehr viel vor. Wie immer. Macht nichts, man wird wohl noch träumen dürfen!

Wer schlägt sich sonst noch wacker? Aktuelle Linkliste wie immer bei Mema, Immi und Rong.

Dienstag, 15. Januar 2013

SWAP 12/13 - Diesmal kein UFO

Nicht das ich zu den grünen Männchen einen guten Draht hätte, aber kennen tue ich sie schon. Einige bewohnen meinen Kleiderschrank, andere wiederum bevorzugen die Dunkelheit meiner Abstellkammer, es gibt aber auch welche die ganz dreist ständig neben meiner Couch hocken. Manche sind tatsächlich grün, manche wirklich nicht identifizierbar, doch eins haben sie alle gemeinsam, sie sind unvollendet. Ich bin mir sicher, dass jede Näherin sie kennt, die UnFertigenObjekte, in den englischsprachigen Nähsphären auch unter dem Namen "UnFinished Objects" bekannt.

Meine bis jetzt noch sehr bescheidene SWAP-Kollektion hat schon drei solche Kandidaten. Ich versuche zwar ständig Kontakt mit ihnen aufzunehmen, aber leider sind unsere Sende- und Empfangsfrequenzen immer noch nicht synchron. Und da ich nicht warten konnte wollte, bis sich unsere Kommunikation bessert, habe ich beschlossen ein neues, kurvenreiches Projekt zu beginnen.


Nein, nein, ich hab nicht angefangen zu malen. Aber vielleicht hat mich das Bild unbewusst bei der Schnittmusterwahl beeinflusst. Ich fühle seit einiger Zeit seltsame Schwingungen in meiner Wohnung... kann aber auch sein, dass das nur undichte Fenster des Altbaus sind. Dafür würden auf jeden Fall die hohen Heizkosten sprechen.

Na jedenfalls als ich die Bilder meines SWAP-Januarberichts betrachtete, musste ich traurig feststellen, dass mein liebes Püppchen mit dem neu dazugekommenen Bolero recht nackt aussieht. Ein Kleid muss her, dachte ich, und da auf meiner SWAP-Todo-Liste zufälligerweise (oh, schon wieder die Schwingungen) das Kleid stand, das Burda zusammen mit dem Bolero präsentierte, war ich mir ziemlich sicher, dass sie miteinander kompatibel seien werden und machte mich an die Arbeit. Ich war auch sehr motiviert und wollte eigentlich schon Mitte letzter Woche das Ergebnis zeigen (bloß kein UFO diesmal), nur leider wurde ich durch das eine oder andere ein wenig ausgebremst. Aber alles schön Reihe nach (aber von hinten beginnend)... also zuerst das fertige Kleid.


Kein UFO, das ist schon mal gut. Nicht so gut ist, dass es das einzige einigermassen rauschfreie Foto ist, das ich gemacht habe. Nach diesem wirklich ersten Foto habe ich wie von Geisterhand (???) meine Kamera von manuell auf Automatik umgestellt, und sie wiederum hat ganz von alleine erkannt, dass der Januar in Berlin ziemlich dunkel seien kann und den ISO-Wert auf 1000 erhöht. Und so sind rauschende (hier ist leider nicht großartig gemeint) Bilder entstanden. Sollte sich jemand stark für das Bildrauschen interessieren einfach hier oder hier weiterlesen ich dagegen will das Schnittmuster ein wenig besprechen.

Es ist das Kleid 121 aus der Burda 9/2012. Meiner Meinung nach ist dieses Kleid die Burda-Interpretation des berühmten und nicht weniger kontroversen Stella McCartney Miracle Dress. 


Ich habe mich aber für dieses Modell in erster Linie nicht wegen des wundersam verschmälernden Effekts entschieden (hätte ich eigentlich auch nichts dagegen, nur der aufmerksame Betrachter wird bemerkt haben, dass meine Version des Kleides außen heller ist und dadurch sich die optische Täuschung nicht so recht einstellen will), sondern in dem Schnitt habe ich eine schöne Möglichkeit gesehen, zwei "gute" Seiten eines Stoffes kombinieren zu können. Solch einen Stoff hatte ich nämlich seit längerem in meinem Stoffvorrat liegen. Der Stoff (Punta de Roma Jersey), den ich vor circa einem Jahr bei Alfatex gekauft habe, hat zwei ganz unterschiedliche Seiten. Die eine Seite (Viskose/Poly) ist hellblau und ganz glatt (leichtes Neoprenanzug-Feeling), die andere Seite (Baumwolle) ist hellgrau und rau (leichtes Frotteehandtuch-Feeling). Übrigens finde ich den Schnitt nicht nur vorne sondern auch auch hinten interessant. Der Abnäher hat hier die Form einer Prinzessnaht was die Taille schön betont.


Die Schwierigkeiten, die ich beim Nähen hatte, sind ehe dem Stoff als dem Schnitt zuzuschreiben. An dem Schnitt (ist ein Kurzgrößenschnitt), den ich in Größe 20 zugeschnitten habe (der Schnitt fällt nicht groß aus, also sollte man sich an die Burda-Masstabelle halten), habe ich folgende Änderungen gemacht:
- vorne im Taillenbereich habe ich die Kurve ein wenig verändert, sodass sie besser meiner Figur entspricht
- im oberen Rückenbereich am Reißverschluss habe ich ca. 4cm weggenommen
- vorne oberhalb der Brust war mir das Kleid auch zu weit und ich musste es enger machen


Ich habe kein Probekleid genäht, also konnte ich einige Passprobleme nachträglich nur schwer bis gar nicht beseitigen. Die Seitennaht in meinem Kleid geht leicht nach vorne, ein Zeichen dafür, dass ich eine Hohlkreuz-Korrektur machen müsste. Bei einem Modell ohne Taillennaht lässt sich solche Korrektur nachträglich nicht mehr durchführen.

Der Stoff war nicht einfach zu verarbeiten. Er hat wirklich zwei zusammengewebte Seiten und ist dadurch recht dick. Zuerst wollte ich das Kleid mit der Overlock nähen, aber die zusammenversäuberten Nähte waren zu dick. Also habe ich es mit der normalen Nähmaschine genäht und die Nahtzugaben auseinander gebügelt. Nur leider hielten die Nahtzugaben nicht auseinander und wellten sich, also musste ich sie fast überall mit der Hand annähen. Boh, war das Arbeit und auf der rechten Seite sieht man es auch ein bisschen.

Das Kleid ist komplett gefüttert. Ich habe leider keinen schönen, farblich passenden Stretch-Futterstoff gefunden also habe ich ein sogenanntes Wirkfutter benutzt. Da das Futter weniger elastisch war als der Stoff selbst, habe ich das Futterkleid zuerst zu eng genäht. Oh, da musste ich wirklich viel ändern. Das Futter fühlt sich auf der Haut nicht besonders angenehm an, davon bin ich enttäuscht.

Trotz aller diesen kleinen Fehler bin ich mit dem Kleid zufrieden und werde es wahrscheinlich viel tragen, wenn der Stoff sich auf dem Po nicht ausdehnt oder pillt oder sonst noch was passiert. Ich freue ich mich, dass meine kleine SWAP-Kollektion endlich Zuwachs bekommen hat.